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Casinorating

Bingo, Keno, Sic Bo und Andar Bahar: die Spiele neben den Klassikern

Spielregeln Geprüft am 02.09.2026

Bingo und Keno sind Zahlenspiele mit sehr hohem Hausvorteil, 10 bis 30 Prozent beim Bingo-Topf und 20 bis 30 Prozent bei Keno. Sic Bo und Andar Bahar sind Tischspiele mit rund 2 bis 3 Prozent auf den Hauptwetten. Bei Sic Bo entscheidet allein die Wahl des Wettfelds über den Faktor zehn.

Neben Slots, Roulette und Blackjack steht in jeder Lobby eine zweite Reihe: Spiele, die kaum jemand erklärt bekommt und die deshalb meistens nach Gefühl gespielt werden.

Dieser Guide rechnet vier davon durch: Bingo und Keno als Zahlenspiele, Sic Bo und Andar Bahar als Tischspiele aus Asien. Das Ergebnis ist deutlicher, als man erwarten würde. Zwei dieser Spiele gehören zu den teuersten überhaupt, zwei zu den günstigsten im ganzen Casino. Der Unterschied liegt nicht darin, wie kompliziert sie wirken.

Bingo: das einzige Spiel gegen die anderen

Bingo funktioniert anders als jedes andere Casinospiel. Du spielst nicht gegen das Haus, sondern gegen die anderen Teilnehmenden um einen Topf, von dem der Anbieter vorher einen Anteil abzieht.

Du kaufst eine oder mehrere Karten mit Zahlen. Danach werden Zahlen gezogen und automatisch auf deinen Karten markiert. Wer zuerst ein festgelegtes Muster vervollständigt, meist eine Linie oder die volle Karte, gewinnt den entsprechenden Anteil des Topfes. Online läuft das Markieren automatisch. Es gibt keine Reaktionszeit, keine Geschicklichkeit und keine Entscheidung nach dem Kartenkauf.

Der Anbieter zieht vom gesamten Karteneinsatz einen Anteil ab und schüttet den Rest als Gewinne aus. Dieser Anteil liegt je nach Spiel typischerweise zwischen 10 und 30 Prozent. Ein Rechenbeispiel: 200 Karten zu CHF 1 ergeben einen Einsatz von CHF 200. Bei 20 Prozent Abzug werden CHF 160 ausgeschüttet. Wer eine Karte gekauft hat, hat eine Chance von 1 zu 200 auf einen Topf von CHF 160, was einem erwarteten Rückfluss von CHF 0.80 auf CHF 1 Einsatz entspricht.

Diese Rechnung ändert sich nicht dadurch, wie viele Karten du kaufst. Mehr Karten bedeuten mehr Chancen und einen entsprechend höheren Einsatz, im gleichen Verhältnis.

Die Teilnehmerzahl verändert ebenfalls nicht deinen erwarteten Rückfluss, sondern die Verteilung. Ein Spiel mit wenigen Teilnehmenden hat einen kleinen Topf, den du oft gewinnst. Ein Spiel mit vielen hat einen grossen Topf, den du selten gewinnst. Das ist dieselbe Logik wie Volatilität beim Slot. Wer kleine, häufige Gewinne will, sucht Räume mit wenigen Teilnehmenden.

Bingo hat einen Chat, ein festes Tempo und Runden mit klarem Anfang und Ende. Das unterscheidet es deutlich vom Slot, bei dem eine Runde nahtlos in die nächste übergeht. Die Kehrseite ist dieselbe Eigenschaft: Ein Raum, in dem man Leute kennt, hält länger als ein Spiel, das man allein spielt. Die Sitzungsdauer ist bei Bingo überdurchschnittlich, und der Umsatz entsteht über die Zeit.

Keno: entspannt zu spielen, teuer zu bezahlen

Keno ist eines der ältesten Glücksspiele überhaupt und in seiner heutigen Form eine Lotterie, die alle paar Minuten gezogen wird.

Aus einem Feld von meist 80 Zahlen wählst du eine bestimmte Menge aus, üblicherweise zwischen 2 und 10. Danach werden 20 Zahlen gezogen, ausgezahlt wird nach der Anzahl deiner Treffer. Es gibt keine Entscheidung während der Runde und keine Strategie. Welche Zahlen du wählst, ist mathematisch bedeutungslos, weil alle gleich wahrscheinlich sind.

Der Hausvorteil liegt je nach Anbieter und Auszahlungstabelle typischerweise zwischen 20 und 30 Prozent. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Slot liegt bei 4 Prozent, europäisches Roulette bei 2.7 Prozent, Blackjack bei guter Spielweise unter 1 Prozent. Über CHF 500 Umsatz gerechnet bedeutet das bei Keno mit 25 Prozent einen erwarteten Verlust von CHF 125. Bei europäischem Roulette wären es CHF 13.50 gewesen.

Das ist kein Versehen und kein schlechter Anbieter. Es ist die Bauart des Spiels und gilt für Keno überall.

Dass es sich nicht so anfühlt, liegt an den häufigen Teiltreffern. Wer 10 Zahlen wählt, hat fast in jeder Runde einige davon getroffen. Das fühlt sich nach Nähe zum Gewinn an, auch wenn erst ab einer bestimmten Trefferzahl überhaupt ausgezahlt wird. Dazu kommen die beworbenen Quoten: Zehn Richtige zahlen astronomisch, und die Wahrscheinlichkeit dafür liegt im Bereich von eins zu mehreren Millionen. Die Rechnung dahinter steht nirgends auf dem Bildschirm.

Das Einzige, was sich tatsächlich lohnt: Die Auszahlungstabellen sind je nach gewählter Anzahl Zahlen unterschiedlich gut. Ein Blick in die Spielinfo und ein Vergleich des RTP über die Varianten hinweg bringt mehrere Prozentpunkte. Was dagegen nichts bringt, sind Zahlen, die lange nicht gezogen wurden, oder solche, die häufig kamen. Jede Ziehung ist unabhängig, das Spiel hat kein Gedächtnis.

Sic Bo: dasselbe Spiel, zehnfacher Preis

Sic Bo stammt aus China und ist in europäischen Casinos ein Nischenspiel, in Online-Lobbys und im Live Casino aber gut vertreten. Drei Würfel werden in einem geschlossenen Behälter geschüttelt, du setzt vorher auf ein Ergebnis, danach wird aufgedeckt. Es gibt keine Entscheidung während des Spiels und keine Reihenfolge wie beim Craps, jede Runde steht für sich.

Das Tischlayout wirkt überladen, weil sehr viele Wettmöglichkeiten nebeneinander stehen. Sie lassen sich in wenige Gruppen einteilen:

  • Klein und Gross: Die Augensumme liegt zwischen 4 und 10 oder zwischen 11 und 17. Zahlt 1 zu 1, verliert bei einem Dreierpasch.
  • Bestimmte Augensumme: von 4 bis 17, mit sehr unterschiedlichen Quoten je nach Wahrscheinlichkeit.
  • Einzelne Zahl: Eine gewählte Zahl erscheint auf einem, zwei oder drei Würfeln.
  • Kombinationen: Zwei bestimmte Zahlen erscheinen gleichzeitig.
  • Pasch und Dreierpasch: zwei oder drei gleiche Würfel, mit den spektakulärsten Quoten.

Bei kaum einem anderen Spiel liegen die Wettarten so weit auseinander. Klein und Gross haben typischerweise rund 2.8 Prozent Hausvorteil. Ein bestimmter Dreierpasch liegt je nach Auszahlungstabelle bei rund 30 Prozent. Über CHF 1000 Umsatz gerechnet: auf Klein oder Gross rund CHF 28 erwarteter Verlust, auf einem bestimmten Dreierpasch rund CHF 300. Dasselbe Spiel, derselbe Tisch, derselbe Abend.

Die Quote von 150 zu 1 oder 180 zu 1 auf einen Dreierpasch klingt nach der Wette des Abends. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei 1 zu 216, und genau in dieser Lücke steckt der Hausvorteil.

Anders als beim Roulette sind die Quoten bei Sic Bo nicht standardisiert. Zwei Tische können dieselbe Wette unterschiedlich vergüten, und damit ändert sich der Hausvorteil erheblich. Bei ESBK-konzessionierten Anbietern muss die Spielinfo zu jedem Spiel abrufbar sein. Dort stehen die Quoten pro Wettfeld, oft mit dem RTP. Wer bei Sic Bo einmal hineinschaut, spart mehr als durch jede Spielweise.

Im Live Casino gibt es zusätzlich Varianten mit Multiplikatoren auf einzelnen Feldern. Diese Zusätze werden finanziert, indem die Grundquoten anderer Felder gesenkt werden. Spektakulärer heisst hier wie fast immer volatiler und selten günstiger.

Andar Bahar: das einfachste Spiel im Casino

Andar Bahar stammt aus Südindien und ist über das Live Casino nach Europa gekommen. Es ist das wahrscheinlich einfachste Kartenspiel, das ein Casino anbietet.

Eine Karte wird aufgedeckt, die sogenannte Joker- oder Hauskarte. Danach werden abwechselnd Karten auf zwei Seiten gelegt: Andar auf der einen, Bahar auf der anderen. Gespielt wird so lange, bis eine Karte mit demselben Wert wie die Hauskarte erscheint. Die Seite, auf der sie liegt, gewinnt. Deine einzige Entscheidung fällt vor der ersten Karte.

Die beiden Seiten sind nicht gleich wahrscheinlich. Je nach Tischregel wird die erste Karte auf einer festgelegten Seite abgelegt, meist auf derselben Farbe wie die Hauskarte. Diese Seite hat dadurch einen Zug Vorsprung und gewinnt etwas häufiger. Das Casino gleicht das über die Auszahlung aus: Die bevorzugte Seite zahlt weniger als 1 zu 1, die andere 1 zu 1. Ein typisches Muster ist 0.9 zu 1 gegen 1 zu 1.

Der Hausvorteil liegt bei den Hauptwetten je nach Regelwerk in einer Grössenordnung von rund 2 bis 3 Prozent. Welche der beiden Seiten günstiger ist, hängt von den konkreten Quoten des Tisches ab und lässt sich nicht pauschal sagen.

Teurer wird es bei den Nebenwetten. Übliche Zusatzwetten betreffen die Anzahl Karten bis zum Treffer, oft in Gruppen wie 1 bis 5 oder 6 bis 10, mit entsprechend höheren Quoten. Wie bei allen Nebenwetten liegt der Hausvorteil dort deutlich über dem der Hauptwette. Ein Rechenbeispiel: Wer pro Runde CHF 5 auf Andar und zusätzlich CHF 2 auf eine Nebenwette mit 8 Prozent setzt, verliert statistisch mehr über die CHF 2 als über die CHF 5.

Der Punkt, der bei diesem Spiel am meisten kostet, ist das Tempo. Eine Runde dauert oft weniger als eine Minute, weil kein Spieler eine Entscheidung treffen muss. Das ergibt am Live-Tisch 60 oder mehr Runden pro Stunde und damit deutlich mehr Umsatz als bei Blackjack, wo an mehreren Plätzen entschieden wird. Bei CHF 5 Einsatz und 60 Runden sind das CHF 300 Umsatz pro Stunde, bei 2.5 Prozent Hausvorteil rund CHF 7.50 erwarteter Verlust. Für ein Tischspiel ist das günstig, solange man die Nebenwetten weglässt.

Die vier im direkten Vergleich

SpielKosten der günstigsten WetteEntscheidung möglichTempo
Andar Baharrund 2 bis 3 Prozentnur die Seitenwahlsehr schnell, 60+ Runden pro Stunde
Sic Borund 2.8 Prozent auf Klein oder Grossja, über die Wahl der Wetteschnell
Bingo10 bis 30 Prozent Abzug vom Topfkeine nach dem Kartenkauflangsam, aber lange Sitzungen
Keno20 bis 30 ProzentkeineZiehung alle paar Minuten

Die Reihenfolge überrascht die meisten. Andar Bahar, das nach einem Münzwurf aussieht, ist günstiger als fast jeder Slot. Keno, das nach einem harmlosen Zeitvertreib aussieht, kostet ein Vielfaches davon.

Bei Sic Bo entscheidet nicht das Spiel, sondern das Feld. Der Unterschied zwischen der günstigsten und der teuersten Wette am selben Tisch beträgt den Faktor zehn. Das ist die grösste Spanne, die es in einem einzelnen Casinospiel gibt.

Wer in der Schweiz zuständig ist

Bei diesen vier Spielen ist die Zuständigkeit nicht einheitlich, und das ist praktisch relevant.

Sic Bo und Andar Bahar sind Spielbankenspiele. Sie fallen unter die Aufsicht der ESBK, wenn sie von einem Schweizer Konzessionär angeboten werden.

Bingo und Keno gibt es dagegen in zwei Formen. Als Spiel im Angebot einer konzessionierten Spielbank unterstehen sie der ESBK. Als Lotterieprodukt fallen sie unter die interkantonale Geldspielaufsicht Gespa, und kleine Bingo-Formen im Vereinsrahmen brauchen eine kantonale Bewilligung.

Für dich ändert das die Steuerregeln und die zuständige Beschwerdestelle, nicht aber die Mathematik. Wer prüfen will, ob ein Bingo- oder Keno-Angebot legal ist, schaut deshalb nicht nur auf die Liste der bewilligten Online-Spielbanken, sondern auch bei der Aufsicht für Grossspiele. Wie die Zuständigkeiten zusammenhängen, steht im Guide zu Konzessionen und Aufsicht.

Die vier häufigsten Irrtümer

Mehr Bingokarten verbessern das Ergebnis. Sie erhöhen die Trefferwahrscheinlichkeit und den Einsatz im selben Verhältnis. Was sich verbessert, ist nur die Wahrscheinlichkeit, überhaupt etwas zu gewinnen, nicht der erwartete Rückfluss.

Keno ist harmlos, weil es langsam ist. Der Hausvorteil arbeitet nicht mit der Zeit, sondern mit dem Umsatz. Wer CHF 2 pro Ziehung setzt und eine Stunde spielt, hat bei einer Ziehung alle vier Minuten rund CHF 30 umgesetzt und davon statistisch CHF 7.50 verloren. Bei Roulette wäre derselbe Umsatz weniger als einen Franken teuer gewesen.

Bei Sic Bo kann man sich über mehrere Felder absichern. Das ist ein Rechenfehler. Jede Wette hat ihren eigenen Hausvorteil, und mehrere gleichzeitig zu spielen erhöht schlicht den Umsatz pro Runde. Wer vier Felder zu CHF 2 bespielt, setzt CHF 8, nicht CHF 2.

Andar Bahar ist eine Fifty-Fifty-Entscheidung. Die Seiten sind weder gleich wahrscheinlich noch hängen die Runden zusammen. Was die Chancen ausgleicht, ist die Auszahlungsquote, und die steht in der Spielinfo, nicht in der Ergebnisliste.

In der Schweiz

Sic Bo und Andar Bahar sind Spielbankenspiele unter ESBK-Aufsicht. Bingo und Keno fallen je nach Ausgestaltung unter die ESBK oder als Lotterieprodukt unter die interkantonale Geldspielaufsicht Gespa. Das ändert Steuerregeln und Beschwerdestelle.