Kantonsschülerinnen und Kantonsschüler spielen etwa gleich oft um Geld wie Gleichaltrige in der ganzen Schweiz: rund jede zweite Person. Auffällig ist, wo sie spielen. Von den volljährigen Befragten hat fast jede vierte Person schon in einem nicht bewilligten Krypto- oder Auslandcasino gespielt. In der Gesamtbevölkerung sind es 2,8 Prozent.
Diese Analyse stammt aus einer früheren Umfrage aus diesem Jahr. Wir haben sie nun in Vergleich mit Bundesweiten Studien gesetzt und interessante Erkenntnisse erhalten.
Online und illegal: der grösste Unterschied

Bei allen drei Spielformen liegen die volljährigen Befragten deutlich über dem Bevölkerungswert: 23 Prozent haben schon in einem Krypto- oder Auslandcasino gespielt, 28 Prozent in einem Schweizer Online-Casino, 32 Prozent haben Sportwetten abgeschlossen. Am grössten ist der Abstand bei den in der Schweiz nicht bewilligten Angeboten. Für 18- bis 20-Jährige allein publiziert der Bund keinen Wert, der Vergleich bezieht sich deshalb auf alle ab 15 Jahren.
Gleich viele spielen, aber heute online
51 Prozent der Befragten haben schon um Geld gespielt. Damit liegen die Kantonsschülerinnen und Kantonsschüler im Schweizer Schnitt: Laut Sucht Schweiz hat rund die Hälfte der 15- bis 24-Jährigen schon um Geld gespielt. Bildung schützt also nicht vor dem Einstieg. Unter den Minderjährigen sind es 45 Prozent, obwohl Geldspiel erst ab 18 erlaubt ist.
Verändert hat sich der Ort. Eine vergleichbare Schulstudie aus dem Kanton Bern stammt aus der Zeit vor der Online-Legalisierung (2012, 3134 Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klasse). Damals hatten 10,4 Prozent der Spielenden online gespielt. In unserer Umfrage haben 38 Prozent der Spielenden Erfahrung mit Online-Casinos. Die Zahlen sind nicht eins zu eins vergleichbar: Bern erfasste die letzten zwölf Monate, wir die Lebenszeit, und unsere Stichprobe umfasst auch 18- und 19-Jährige. Die Richtung ist trotzdem deutlich.
Die Geschlechterschere ist überall ähnlich: 60 Prozent der jungen Männer und 33 Prozent der jungen Frauen haben schon gespielt. Ein Verhältnis von rund 2 zu 1 zeigen auch die Berner Studie (40 zu 20 Prozent) und die europäische Schülerstudie ESPAD 2024 (29 zu 16 Prozent). Bei Online-Casinos ist es ebenfalls doppelt so häufig: 25 Prozent der Männer, 12 Prozent der Frauen.
Die Rechtslage ist bekannt
69 Prozent der Befragten geben an zu wissen, dass in der Schweiz nur bestimmte Online-Casinos legal sind und Geldspiel für Minderjährige verboten ist. Das ist das Gegenteil des nationalen Bilds: Laut Sucht Schweiz wissen über 85 Prozent der Spielenden nicht, dass nicht bewilligte Online-Casinos illegal sind. Diese Anbieter erzielen in der Schweiz geschätzt 105 bis 180 Millionen Franken Ertrag pro Jahr.
Trotzdem hat fast jede vierte volljährige Person schon bei einem solchen Anbieter gespielt. Ob es dieselben Personen sind, die die Rechtslage kennen, weisen wir nicht aus (siehe Methodik). Ein Schüler beschreibt, warum die Grenze verschwimmt:
«Stake, Duel und Kalshi werden oft nicht als Glücksspiel dargestellt, sondern als normale Plattformen.»
Schüler, unter 16
Einschränkung: Unsere Frage kombinierte Casino-Legalität und Mindestalter. Wer «Ja» sagt, kennt mindestens eines davon.
Die Werbung kommt übers Handy
76 Prozent der Befragten haben in den letzten 30 Tagen Werbung für Online-Casinos oder Sportwetten gesehen: 57 Prozent aller Befragten auf Social Media, 45 Prozent im Fernsehen und 27 Prozent über Sponsoring. 39 Prozent haben das Gefühl, die Werbung richte sich auch oder eher auch an Minderjährige.
Das deckt sich mit der neuen Sportwetten-Studie von Sucht Schweiz (Mai 2026, 2028 Befragte zwischen 15 und 29 Jahren). Dort sieht die Hälfte oft oder sehr oft Sportwetten-Werbung. Als Kanäle nennen 30 Prozent Social Media, 28 Prozent Werbung in Apps und 20 Prozent das Fernsehen. Die Fragen sind nicht identisch, das Muster schon: Werbung läuft vor allem digital.
«Vapes sind farbig, fruchtig, was Cooles – und so sehe ich auch Online-Casino-Werbung.»
Schülerin, 18
«Es wird als Werbung angezeigt, die aussieht wie ein normales Handy-Spiel.»
Schülerin, 19
Eine Genfer Studie von Sucht Schweiz (2025) kam zum gleichen Schluss: Im öffentlichen Raum hielt sich die Werbung ans Gesetz, online verstiessen viele Inhalte dagegen, und wirksame Alterskontrollen fehlten.
Der Einstieg passiert vor 16, und die Kontrollen versagen
56 Prozent der Spielenden waren beim ersten Geldspiel höchstens 15 Jahre alt. Bei den minderjährigen Spielenden sind es 88 Prozent. Meist beginnt es im Kollegenkreis: 42 Prozent aller Befragten haben schon mit Kolleginnen und Kollegen um Geld gespielt, mit Pokerrunden oder privaten Wetten.
Eine nationale Vergleichszahl zum Einstiegsalter gibt es nicht. Weder der Bericht zur Gesundheitsbefragung 2022 noch das Faktenblatt der Sportwetten-Studie weisen es aus.
Dass der Zugang leicht ist, bestätigt die Aufsicht selbst. Bei 200 Testkäufen der Interkantonalen Geldspielaufsicht Gespa konnten Minderjährige in 47,5 Prozent der Fälle eine Sportwette abschliessen, in Zürcher Swisslos-Verkaufsstellen in 56 Prozent (publiziert Juli 2026). In 44,5 Prozent der Fälle wurde das Alter gar nicht geprüft.
In unserer Umfrage sagen 28 Prozent, sie würden in einem Online-Casino ohne Alterskontrolle spielen oder hätten das schon getan. 14 Prozent geben an, es bereits getan zu haben.
Dieselben Irrtümer wie alle jungen Menschen
Gymnasiastinnen und Gymnasiasten durchschauen das Glücksspiel nicht besser als ihre Altersgenossen. 21 Prozent glauben, man könne beim Glücksspiel langfristig gewinnen. In der Sportwetten-Studie von Sucht Schweiz glauben 23 Prozent, gute Sportkenntnisse reichten, um Geld zu gewinnen.
Das Risikobewusstsein ist hoch und hilft trotzdem wenig. 80 Prozent halten Online-Casinos für gefährlich, national sind sich 90 Prozent der jungen Menschen der Risiken von Sportwetten bewusst. Gleichzeitig sagen 46 Prozent, Online-Casinos gälten in ihrem Umfeld als cool, und 53 Prozent kennen jemanden, der regelmässig online spielt.
Das Suchtrisiko schätzen die Befragten für andere auf 7,7 von 10 Punkten ein, für sich selbst auf 3,9. Sucht Schweiz findet eine verwandte Verzerrung: Junge Menschen schätzen, dass 30 Prozent ihrer Altersgenossen regelmässig wetten, tatsächlich sind es 4 Prozent. Beide Fehleinschätzungen lassen Glücksspiel normaler und harmloser erscheinen, als es ist.
Was sich seit 2019 verändert hat
Seit dem Geldspielgesetz von 2019 dürfen Schweizer Casinos online spielen lassen, ausländische Anbieter werden gesperrt. Jede verfügbare Zeitreihe zeigt seither nach oben.
| Indikator | Vorher | Nachher | Quelle |
|---|---|---|---|
| Bruttospielertrag Sportwetten | 34 Mio. CHF (2018) | 237 Mio. CHF (2024) | Sucht Schweiz 2026 |
| Bruttospielertrag Online-Casinos | Start 2019 | mehr als verzehnfacht (2022) | Suchtpanorama 2024 |
| Neue Spielsperren pro Jahr | rund 3500 (vor 2019) | über 18’000 (2024) | Sucht Schweiz 2026 |
| Pathologisches Geldspiel, Bevölkerung ab 15 | 0,2 % (2017) | 0,5 % (2022) | GREA |
| Sehr problematisches Spiel unter Online-Spielenden | 2,3 % (2018) | 5,2 % (2021) | Suchtpanorama 2024 |
| Online-Geldspiel, 15- bis 16-jährige Schüler in Europa | 8 % (2019) | 14 % (2024) | ESPAD 2024 |
| Therapiesitzungen Zentrum für Spielsucht Zürich | 901 (2021) | 1297 (2025) | RRB 934/2026 |
In Zürich warten Betroffene inzwischen drei bis vier Monate auf eine Beratung, 2021 waren es zwei bis vier Wochen.
Alle Vergleichswerte auf einen Blick
Unsere Werte beziehen sich auf 1098 ausgewertete Antworten. Die letzte Spalte zeigt, wie direkt die beiden Zahlen nebeneinander stehen dürfen.
| Kennzahl | Kantonsschüler Zürich 2026 | Schweizer Vergleichswert | Vergleichbarkeit |
|---|---|---|---|
| Schon um Geld gespielt | 51 % (Lebenszeit) | rund 50 % der 15- bis 24-Jährigen (Lebenszeit, 2022, Suchtpanorama 2024) | gut |
| Gespielt, Männer / Frauen | 60 % / 33 % | 29 % / 16 % (15- bis 16-Jährige Europa, 12 Monate, ESPAD 2024) | nur das Verhältnis |
| Krypto- oder Auslandcasino | 14 % aller, 23 % der Volljährigen | 2,8 % (Lebenszeit, Bevölkerung ab 15, Wenger & Haug 2024) | eingeschränkt: andere Altersstruktur |
| Schweizer Online-Casino | 15 % aller, 28 % der Volljährigen | 4,4 % (Lebenszeit, Bevölkerung ab 15, Wenger & Haug 2024) | eingeschränkt: andere Altersstruktur |
| Sportwetten | 18 % aller, 32 % der Volljährigen, 9 % der Minderjährigen | 4,7 % der 15- bis 19-Jährigen, 13,5 % der 20- bis 24-Jährigen (12 Monate, Sucht Schweiz 2026) | eingeschränkt: Lebenszeit vs. 12 Monate |
| Online gespielt, Anteil der Spielenden | 38 % (Online-Casino, Lebenszeit) | 10,4 % (jedes Online-Geldspiel, 12 Monate, Berner Schüler 2012, IUMSP 2012) | eingeschränkt: Zeitraum und Alter |
| Glücksspielwerbung gesehen | 76 % (letzte 30 Tage) | 50 % oft oder sehr oft (Sportwetten, 15 bis 29, Sucht Schweiz 2026) | Frage verschieden |
| Werbekanal Social Media | 57 % | 30 % (Sucht Schweiz 2026) | Frage verschieden |
| Rechtslage bekannt | 69 % aller Befragten | über 85 % der Spielenden kennen die Illegalität nicht (Suchtpanorama 2025) | eingeschränkt: andere Gruppe und Frage |
| Glaube, gewinnen zu können | 21 % | 23 % (Sportkenntnisse reichen zum Gewinnen, Sucht Schweiz 2026) | ähnlich |
| Risiko bewusst | 80 % halten Online-Casinos für gefährlich | 90 % kennen Risiken von Sportwetten (Sucht Schweiz 2026) | ähnlich |
| Jemand im Umfeld spielt regelmässig | 53 % (online) | 20 % (wettet regelmässig, Sucht Schweiz 2026) | Frage verschieden |
| Einstieg mit 15 oder früher | 56 % der Spielenden | keine nationale Zahl | – |


