Labouchère ist das einzige Setzsystem, für das man Papier braucht. Genau das macht seinen Reiz aus: Es fühlt sich nach einem Plan an, nicht nach Glück.
Wie es funktioniert
Du legst zuerst fest, wie viel du gewinnen willst, und zerlegst diesen Betrag in eine Zahlenreihe. Beispiel mit CHF 5 als Einheit und einem Ziel von CHF 50: die Reihe 1, 2, 3, 4.
Gesetzt wird immer die Summe der ersten und der letzten Zahl. Hier also 1 plus 4 gleich 5 Einheiten, das sind CHF 25.
- Gewinnst du: Du streichst beide Zahlen. Die Reihe wird kürzer.
- Verlierst du: Du hängst den gesetzten Betrag hinten an. Die Reihe wird länger.
Ist die Reihe leer, hast du dein Ziel erreicht, in diesem Fall CHF 50.
Die eingebaute Asymmetrie
Hier steckt der Konstruktionsfehler. Ein Gewinn entfernt zwei Zahlen, ein Verlust fügt nur eine hinzu. Das klingt nach einem Vorteil und ist keiner, denn die angehängte Zahl ist die grösste in der Reihe.
Ein Rechenbeispiel: Aus 1, 2, 3, 4 wird nach einem verlorenen Einsatz über 5 Einheiten die Reihe 1, 2, 3, 4, 5. Der nächste Einsatz beträgt 1 plus 5 gleich 6 Einheiten, also CHF 30. Verlierst du wieder, steht 1, 2, 3, 4, 5, 6, und der nächste Einsatz liegt bei 7 Einheiten, also CHF 35.
Nach fünf Verlusten in Folge liegst du bei CHF 175 im Minus und musst CHF 45 setzen, um weiterzumachen. Das Ziel sind immer noch dieselben CHF 50.
Begrenzter Gewinn, offener Verlust
Das ist die entscheidende Eigenschaft. Der Gewinn ist von Anfang an gedeckelt, nämlich auf die Summe deiner Startreihe. Der Verlust ist es nicht, er wächst so lange, bis Guthaben oder Tischlimit ihn stoppen.
Damit hat Labouchère dieselbe Verteilung wie Martingale, nur mit mehr Buchhaltung: viele abgeschlossene Reihen mit kleinem Plus, gelegentlich eine Reihe, die entgleist und alles davon frisst.
Die Umkehrvariante
Beim umgekehrten Labouchère dreht man die Regeln: Bei einem Gewinn wird angehängt, bei einem Verlust gestrichen. Damit verliert man viele kleine Beträge und gewinnt selten viel.
Ehrlicherweise ist das die risikoärmere Variante, weil der maximale Verlust pro Reihe feststeht. Am erwarteten Ergebnis ändert auch sie nichts, denn der Hausvorteil wirkt auf den Umsatz, unabhängig von der Reihenfolge der Einsätze.
Der praktische Haken
Schon der erste Einsatz liegt bei diesem System deutlich über dem Grundeinsatz, im Beispiel bei CHF 25. Solange ein Bonus aktiv ist, gilt bei den meisten Anbietern eine Max-Bet-Regel um CHF 5. Labouchère verletzt sie also bereits in der ersten Runde, und das kann den Bonus samt Gewinnen kosten.
Der häufigste Irrtum
Die Vorstellung, ein festgelegtes Gewinnziel mache das Spiel planbar. Planbar ist nur, wie viel du im guten Fall gewinnst. Wie viel du im schlechten Fall setzen musst, um dorthin zu kommen, steht nirgends in der Reihe, und genau diese Zahl entscheidet über den Abend.