Wer Martingale zu brutal findet, landet meistens beim D’Alembert-System. Es steigert die Einsätze linear statt exponentiell und wirkt dadurch vernünftig. An der Mathematik ändert es nichts.
Wie es funktioniert
Du wählst eine Grundeinheit, zum Beispiel CHF 5, und setzt auf eine einfache Chance. Nach jedem Verlust erhöhst du um eine Einheit, nach jedem Gewinn senkst du um eine Einheit. Unter die Grundeinheit gehst du nicht.
Eine Beispielserie mit CHF 5 Einheit: Du setzt 5 und verlierst, dann 10 und verlierst, dann 15 und gewinnst, dann 10 und gewinnst, dann 5.
Bilanz: minus 5, minus 10, plus 15, plus 10. Zusammen plus CHF 10, bei zwei Gewinnen und zwei Verlusten.
Der Denkfehler dahinter
Das obige Beispiel wirkt wie ein Beweis, ist aber ein Auswahleffekt. Es funktioniert, weil in dieser Reihenfolge die Verluste bei kleinen und die Gewinne bei grossen Einsätzen liegen.
Dreh die Reihenfolge um: gewinnen, gewinnen, verlieren, verlieren. Dann setzt du 5 und gewinnst, wieder 5 und gewinnst, dann 5 und verlierst, dann 10 und verlierst. Bilanz: plus 5, plus 5, minus 5, minus 10, zusammen minus CHF 5.
Zwei Gewinne und zwei Verluste, einmal plus CHF 10 und einmal minus CHF 5. Über die Reihenfolge entscheidet der Zufall, und er verteilt beide Muster gleichmässig. Was übrig bleibt, ist der Hausvorteil auf den erzeugten Umsatz.
Die stille Annahme
Das System unterstellt, dass sich Gewinne und Verluste ausgleichen, weil sie langfristig etwa gleich häufig sind. Genau das ist der Spielerfehlschluss in Systemform.
Sie sind eben nicht gleich häufig: Beim europäischen Roulette stehen 18 gewinnende Zahlen 19 verlierenden gegenüber. Diese eine Zahl Unterschied ist der ganze Hausvorteil, und kein Einsatzmuster erreicht sie.
Was es tatsächlich bewirkt
Das ist der faire Teil: D’Alembert ist deutlich weniger gefährlich als Martingale. Die Einsätze wachsen langsam, eine Pechsträhne von zehn Runden führt bei CHF 5 Einheit zu einem Höchsteinsatz von CHF 55, nicht zu CHF 2’560.
Für wen es sich also eignet: für jemanden, der ohnehin spielt und eine Struktur will, die verhindert, dass er im Frust aufs Doppelte geht. Als Verlustbremse taugt es. Als Gewinnmethode nicht.
Der praktische Haken
Auch hier gilt die Max-Bet-Regel, solange ein Bonus aktiv ist. Bei einem Limit um CHF 5 pro Runde bist du schon nach dem ersten Verlust darüber. Wer mit Bonusguthaben progressiv setzt, riskiert den Bonus samt Gewinnen.
Der häufigste Irrtum
Die Vorstellung, ein sanfteres System sei ein besseres System. Sanft heisst hier nur: langsamer verlieren. Der erwartete Verlust hängt allein am Umsatz, und wer länger spielt, weil das System sich sicher anfühlt, setzt am Ende mehr um als ohne.